Kinderlähmung

Kinderlähmung, auch Poliomyelitis genannt, ist eine hoch ansteckende Infektionskrankheit, die über Polioviren übertragen wird. Diese Krankheit kann Lähmungen und sogar den Tod zur Folge haben. Es ist daher wichtig, dass sowohl Kinder als auch Erwachsene kontinuierlich über einen Impfschutz verfügen. In 95% aller Fälle verläuft die Kinderlähmung ohne irgendwelche Symptome, sie bleibt unerkannt. Nur selten beginnt sie mit unspezifischen Beschwerden, die innerhalb von zwei Wochen abklingen.

In nur etwa 1% der Fälle führt diese „Kinderkrankheit" zu Lähmungserscheinungen oder Gehirnhautentzündungen, die meist bleibende Schäden hinterlassen. Um Kinderlähmung zu diagnostizieren, wird der Virus aus Stuhl, Rachensekret oder Gehirnflüssigkeit isoliert.
1949 gelang es drei amerikanischen Wissenschaftlern den Poliovirus zu kultivieren. John Franklin Enders, Frederick Chapman Robbins und Thomas H. Weller erhielten dafür den Nobelpreis für Medizin und Physiologie.

Ab 1952 begann Jonas Edward Salk dann mit experimentellen Impfversuchen. Zuerst an sich selbst, dann an seiner Familie. Die sogenannte Salk- Impfung beinhaltet drei Injektionen aus abgetöteten Polioviren der Erregertypen I, II und III. Im Abstand von zehn Jahren sind Auffrischungen nötig.
Von Albert Bruce Sabin wurde diese Methode dann zur Schluckimpfung weiter entwickelt. Diese ist preiswerter und einfacher durchzuführen als die Salk- Impfung. Sie wird Kinder mit vier, sechs und 18 Jahren verabreicht und bedarf danach ebenfalls einer Auffrischung aller zehn Jahre.

Der Impfstoff wurde 1955 von der amerikanischen Zulassungsbehörde FAD freigegeben. Eine dritte Möglichkeit der Vorsorge ist die verbesserte Impfungsart nach Salk. Es werden inaktivierte Polio- Vakzine verwendet, die eine hohe Wirksamkeit gegen Kinderlähmung haben und keine Vakzineassoziierte paralytische Poliomyelitis (VAPP) verursachen. Auch Menschen mit einer Immunschwäche, wie Aids, können mit diesem Impfstoff geimpft werden.

Kinderlähmung tritt in Ländern mit einem hohen Durchimpfungsgrad nur bei eingeschleppten Erregern auf. Die letzte, durch einen Wildvirus ausgelöste Erkrankung, wurde in Deutschland 1990 gemeldet. Noch 1952 erkrankten in Deutschland 9.728 Menschen an der Kinderlähmung. Es starben 777 Betroffene daran. Solche Verhältnisse gibt es heut zu tage nur noch in Entwicklungsländern.